WordPress 6.7 „Rollins": Zoom Out, Section Styles und Yearly Ups
WordPress 6.7 „Rollins": Zoom Out, Section Styles und Yearly Ups
Manche Releases vergisst man drei Wochen nach dem Update. Andere verändern die Art, wie ganze Agenturen ihre Workflows planen. WordPress 6.7 „Rollins" – am 12. November 2024 veröffentlicht (und nach dem Jazz-Saxophonisten Sonny Rollins benannt) ist... beides nicht - und fällt genau dazwischen: kein Erdbeben, aber das Update, mit dem der Block Editor endgültig erwachsen geworden ist.
Das auffälligste neue Feature heißt Zoom Out und tut genau das, was der Name verspricht. Mit einem Klick wechselt der Site Editor in eine Vogelperspektive – die ganze Seite auf einen Blick, Block für Block sichtbar, ohne ständiges Hochscrollen und Reinzoomen. Wer schon einmal versucht hat, ein dreispaltiges Layout mit 14 verschachtelten Containern in der klassischen Ansicht zu durchblicken, weiß, warum dieses Feature in Reviews so euphorisch besprochen wurde.
Mit Section Styles bekommt das Theming-Modell eine neue Ebene. Bisher waren Styles global oder per Block – jetzt lassen sich ganze Seitenabschnitte (Header, Hero, CTA, Footer) als eigenständige Style-Container behandeln. Eine Marketing-Sektion in knalligem Akzentfarbschema, der Footer in dezentem Grau, alles ohne Custom-CSS-Akrobatik. Für Agenturen, die Kunden gestalterische Freiheit innerhalb von Markenleitplanken geben wollen, ist das Gold wert.
Das mitgelieferte Default-Theme Twenty Twenty-Five setzt konsequent auf Pattern-basiertes Design: vorgefertigte, redaktionell stimmige Layout-Bausteine, die sich kombinieren und anpassen lassen. Wer schnell von null auf veröffentlicht will, klickt sich in zehn Minuten durch ein präsentables Setup. Daneben gab es eine ganze Reihe Detailverbesserungen: HEIC-Unterstützung in der Media Library, schnellere Bildverarbeitung, ein neues Font-Management und unter der Haube zahlreiche Performance-Tweaks.
Spannender als das Release selbst ist allerdings, was danach kam. Im Dezember 2024 verkündete WordPress-Executive-Director Mary Hubbard, dass das Projekt ab 2025 auf einen einzigen Major Release pro Jahr umstellt – vorher waren es drei. Die Folge: WordPress 6.8 „Cecil" kam im April 2025, 6.9 „Gene" im Dezember 2025, und der nächste große Sprung wartet erst auf 2026. Für Plugin-Entwickler eine Erleichterung, für Hosting-Anbieter eine Planungsfreude, für die Community ein deutliches Signal: Stabilität schlägt Tempo.
Die Hintergrundgeschichte ist nicht ganz frei von Drama. Einige Core-Contributor wurden 2024 temporär von Slack ausgeschlossen, andere zogen sich zurück. Der Streit zwischen Matt Mullenweg und WP Engine warf einen langen Schatten über das Ökosystem. Genau in dieser Phase einen verlangsamten Release-Zyklus zu wählen, ist nicht nur technische Entscheidung – es ist auch eine bewusste Beruhigung des Tempos in turbulenten Zeiten.
Für Site-Betreiber lautet die Empfehlung 2026 schlicht: aktuell halten. WordPress 6.9 ist solide, sicher und in vielen Punkten spürbar performanter als seine Vorgänger. Und mit einem Major Release pro Jahr gibt es endlich auch wieder Zeit, das Geleistete tatsächlich zu nutzen.


